3D‑Druck mit Fluiden und Pasten: Technologie-Insights, Anwendungsbeispiele und Austausch im Customer and Innovation Center
Am 23. April 2026 veranstaltete die ViscoTec Pumpen- u. Dosiertechnik GmbH im Customer and Innovation Center (CIC) am Standort Töging a. Inn den „Experience Day Additive Manufacturing“. Die ganztägige Veranstaltung brachte Anwender, Entwickler sowie Vertreter aus Forschung und Wissenschaft zusammen – mit klarem Fokus auf die additive Verarbeitung flüssiger und pastöser Materialien.
Johanna Bruckhuber, ViscoTec, die den Experience Day hauptverantwortlich organisierte, zieht ein positives Fazit: „Uns war wichtig, einen Tag zu schaffen, an dem nicht nur über fluide additive Fertigung gesprochen wird, sondern an dem man sie entlang der gesamten Prozesskette erleben kann – von der Materialbereitstellung über die Dosiertechnik bis zum Bauteil. Durch einen engen Austausch zwischen Maschinenbauunternehmen, Forschung und Endanwendern können sinnvolle Anwendungen im Bereich des fluiden 3D-Drucks zuverlässig weiterentwickelt werden.“
Im Mittelpunkt stand die Exzenterschneckentechnologie, die beim Additive Manufacturing eine definierte und reproduzierbare Materialapplikation ermöglicht – insbesondere bei anspruchsvollen Medien wie Silikonen, Polyurethanen, leitfähigen oder abrasiven Pasten, keramischen Materialien sowie biologischen Substanzen. Über den gesamten Tag hinweg wurde deutlich: Der „fluide 3D‑Druck“ entwickelt sich zunehmend zu einem Schlüsselthema für Anwendungen in diversen Bereichen.
Die Vorträge und Demonstrationen spannten einen Bogen von industriellen und wissenschaftlichen Use Cases bis hin zu Zukunftsfeldern wie dem 3D‑Biodruck. Gezeigt wurden u. a. 3D‑gedruckte Silikon-Organmodelle für OP‑Planung und Schulung sowie Anwendungen aus der Dienstleistung rund um den 3D‑Druck mit RTV‑Silikonen und Liquid Silicone Rubber (LSR) – etwa für Prototyping, Ersatzteile und Kleinserien, aber auch für individualisierte Lösungen in der Medizin(technik).
Auch die Materialseite wurde intensiv diskutiert: Für medizinische Anwendungen sind Biokompatibilität und Prozesssicherheit zentrale Anforderungen. Gleichzeitig stellen sehr hohe Viskositäten – etwa bei LSR – besondere Ansprüche an die Dosiertechnik. Im Bioprinting wiederum ist eine schonende Verarbeitung essenziell, da mit lebenden Zellen gearbeitet wird; entscheidend ist hier eine geringe Scherrate. Die Produkte von ViscoTec bieten sich hier an: Sowohl die autoklavierbare „Medical‑Grade“-Serie, als auch das extra fürs Bioprinting entwickelte Puredyne kit b. Die Produkte der ViscoTec „Medical‑Grade“-Serie enthalten FDA‑konforme Polymere und sind speziell für hygienegerechte Prozesse ausgelegt. Zudem arbeiten sie absolut scherarm und haben sich bereits in zahlreichen Dosieranwendungen hochviskoser Materialien bewährt.
Anwendungsseitig standen vor allem Lösungen mit 2K‑Silikonen im Vordergrund – entsprechend groß war das Interesse am 2K‑Druckkopf von ViscoTec. Neben der reinen Applikation ging es in vielen Gesprächen um typische Herausforderungen im fluiden 3D‑Druck: Entgasung (auch bei Silikonen), Materialhandhabung und insbesondere Reinigbarkeit. Viele Besucher nahmen außerdem mit, dass Standard-Systeme der Materialbereitstellung und -aufbereitung, wie z. B. vipro‑FEED M und Entgasungslösungen, auch in Kombination mit den Druckköpfen eingesetzt werden können. Für Bioprinting-Anwendungen wurde zudem das Puredyne Kit b als passende Lösung thematisiert.
„Der Experience Day zeigt eindrucksvoll, wie vielseitig additive Fertigung heute bereits ist – von industriellen Anwendungen bis hin zum 3D‑Biodruck. Besonders inspirierend ist zu sehen, wie stark das Interesse an medizinischen Anwendungen und dem Verdrucken lebender Zellen wächst. Genau hier entstehen Technologien, welche die Medizin nachhaltig verändern können. Als Spezialist und Hersteller für 3D‑Biodrucksysteme gestalten wir dieses Zukunftsfeld aktiv mit und freuen uns sehr, unsere innovativen Lösungen im Rahmen der Veranstaltung einem breiten Publikum näherzubringen“, sagt Jannik Stadler, Head of Bioprinting Consumables and Services, BlackDrop.
„Der 3D‑Druck mit Fluiden und Pasten spielt für uns vor allem in der Prototypenfertigung eine große Rolle – etwa, wenn es darum geht, ein oder zwei Bauteile schnell und realistisch zu testen. Gleichzeitig sehen wir ein wachsendes Interesse an der Serienfertigung. Die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre wird sein, wie sich unsere Technologie in Bezug auf Zeit, Qualität und Reproduzierbarkeit wirtschaftlich skalieren lässt. Gerade die große Material- und Anwendungsvielfalt ist dabei sowohl Hürde als auch Chance“, sagt Benedikt Daschner, Qualitätsmanager und Entwickler im Bereich additive Fertigung, CR‑3D.
Als Kooperationspartner war die Technische Hochschule Rosenheim eingebunden und stellte das bayerische Netzwerk kAeMu – 3D‑Druck für den bayerischen Mittelstand – vor. Ziel des Netzwerks ist die Qualifizierung von Beschäftigten in bayerischen klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Additive Manufacturing. kAeMu läuft im Sommer aus; als Nachfolgeprojekt wurde ESF_MEDAM genannt, das den Einsatz additiver Fertigungstechnologien in der industriellen Medizintechnik weiter stärken soll.
„Der Experience Day Additive Manufacturing war für mich ein außergewöhnlich wertvolles Event. Formate wie dieses zeigen genau das, was wir als Hochschule erreichen möchten: Einen intensiven Austausch zwischen Unternehmen. Gerade in jungen Technologiefeldern wie dem fluidbasierten 3D‑Druck sind Kooperation und Wissensaustausch entscheidend, um die Technologie voranzubringen“, betont Chad Copperthite, Technische Hochschule Rosenheim.
Kurzfazit: Additive Fertigung mit Fluiden und Pasten erweitert das Anwendungsspektrum des 3D‑Drucks insbesondere dort, wo funktionale Materialien (z. B. Silikone, Pasten oder keramische Medien) benötigt werden. Der Experience Day zeigte technologische Anforderungen und Praxisbeispiele – und machte deutlich, dass die Medizintechnik und Bioprinting zu den besonders dynamischen Anwendungsfeldern zählen.