Stufe 2 von 3 erfolgreich umgesetzt – Dosierzelle in Linienkonzept integriert
Die Realisierung einer Produktionsanlage dauert von der Bestellung bis zur Vorabnahmefähigkeit durchschnittlich 12 Monate oder länger.
Je nach Branche, Komplexität und Automatisierungsgrad sowie dem Anteil integrierter Fremdfabrikate kann insbesondere die Inbetriebnahme einschließlich Validierung und Qualifizierung einen erheblichen Kosten- und Zeitfaktor darstellen.
Im Rahmen der strategischen Partnerschaft zwischen Aumann und ViscoTec wurden gezielt Synergien realisiert. Durch die Standardisierung der Dosierprozesse innerhalb des A-PRO-Baukastens kann Aumann die Lieferzeiten von Produktionslinien mit integrierter Dosierzelle um bis zu 50 % verkürzen.
Aumann und ViscoTec arbeiten seit über einem Jahrzehnt eng zusammen, um komplexe Dosiersysteme vollständig in die Produktionslinien von Aumann zu integrieren und diese Prozesse nachhaltig zu standardisieren. Das zugrunde liegende Entwicklungsprojekt wurde als dreistufiges Konzept über mehrere Jahre angelegt und gemeinsam umgesetzt.
Mit dem erfolgreichen Abschluss der zweiten Entwicklungsstufe wurde das standardisierte Dosiermodul aus dem A-PRO-Baukasten erstmals auf internationalen Fachmessen präsentiert. Rund zehn Fachleute beider Unternehmen waren an dieser Projektphase beteiligt.
Zentrale Schwerpunkte bildeten dabei die Anpassung ausgewählter ViscoTec-Produkte an die neue A-PRO-Evolutionsstufe sowie die Entwicklung standardisierter Integrationsmodule für Entleerung und Dosiersteuerung. In der aktuellen Konfiguration kann die A-PRO-Dosierzelle als Demonstrator besichtigt werden. Industrielle Fertiger können ab sofort Produktionslinien mit einer standardisierten A-PRO-Dispensierzelle oder einzelne A-PRO-Module direkt bei Aumann beziehen.
Das dürfte die Märkte freuen, denn Aumann ist bekannt als führender Hersteller innovativer Spezialmaschinen und hochautomatisierter Produktionslinien in der Automobilindustrie mit Fokus auf Elektromobilitätskomponenten. Dazu zählen Energiespeicher- und Energiewandlungssysteme (Batterie und Brennstoffzelle), der elektrische Traktionsantrieb (Rotor, Stator, Elektromotor), die zugehörige Leistungselektronik (Inverter), Power-on-Demand-Aggregate, Hilfsmotoren sowie Elektronikbauteile im Bereich Sensorik und Steuerung.
Neben Automotive-Anwendungen profitieren auch Kunden in der Elektronikfertigung von der bewährten Aumann-Qualität und den zusätzlichen Mehrwerten der integrierten A-PRO-Dispensierzelle. A-PRO-Produktionslinien stehen für maximale Flexibilität: Prozessmodule können je nach Anforderung ergänzt, ausgetauscht oder entfernt werden. Die modular aufgebaute A-PRO-Dispensierzelle erweitert diese Flexibilität und ermöglicht präzise sowie effiziente Dosierprozesse ohne zusätzlichen Integrationsaufwand.
Gleichzeitig signalisiert der Launch der A-PRO-Dispensierzelle eine einfache Nachrüst- und Erweiterungsoption für bestehende Aumann-Anlagen. Industrielle Fertiger können dadurch neue Prozesse schneller einführen und stabiler betreiben. Die A-PRO-Dosierzelle unterstützt wahlweise skalierbare 1K- oder 2K-Dosierprozesse. Die integrierte ViscoTec-Technologie gewährleistet dabei höchste Präzision, reproduzierbare Bauteilqualität und eine hohe Prozessstabilität – auch bei anspruchsvollen Anwendungen.
Das Anwendungsspektrum reicht von niedrigviskosen Vergussmedien bis hin zu hochviskosen Dichtmassen oder Wärmeleitpasten. Typische Anwendungen finden sich unter anderem in Steuergeräten der Automobil- und Elektronikindustrie sowie in der Leistungselektronik für erneuerbare Energien. Wo ViscoTec für exzellente Dosierergebnisse steht, ergänzt Aumann diese Kompetenz durch seine ausgewiesene Maschinenbau- und Automatisierungsexpertise.
Für das Entleersystem wurde die vipro-FEED M plus integriert. Das automatisierte System ermöglicht die Entleerung von Gebinden bis zu 30 Litern und erfüllt damit die Anforderungen serientauglicher Fertigung. Die eingesetzte volumetrisch fördernde Exzenterschneckenpumpe (Endloskolben-Prinzip) sorgt für eine pulsationsfreie, präzise Materialzuführung zum Dosiersystem und sichert hohe Qualitätsstandards.
Funktionen wie das automatische Einfahren und Entlüften des Gebindes sowie die Erkennung des Medienspiegels prädestinieren die vipro-FEED M plus für die Integration in die A-PRO-Dosierzelle. Die Dosierprozesse werden aktuell über die vipro-CONTROL auf Basis einer Siemens-Steuerung geregelt. Neben der Überwachung der Zuführsysteme stellt die vipro-CONTROL visuelle Störungsanzeigen bereit. Parameter wie Dosiermenge, Materialaustrag oder Spülschussvolumen lassen sich direkt an der A-PRO-Zelle einstellen. Zudem sind Rezeptverwaltung und Kurvenvorgaben über die Beckhoff- bzw. Siemens-Steuerung der Zelle möglich. Die vipro-CONTROL ermöglicht zudem die Darstellung aller prozessrelevanten Parameter, darunter das Niveau der Materialzuführung, Vor- und Dosierdruck sowie dosiertes Volumen, Dosieranzahl und Dosierzeiten.
„In Stufe 3 – der letzten Entwicklungsphase – planen wir die direkte Anbindung des Dosiersystems über ein kompaktes Modul an die Aumann-Steuerung“, erklärt Patrick Jobst, ViscoTec. Bereits heute ermöglicht die Integration der A-PRO-Dosierzelle in das modulare Anlagenkonzept der Aumann-Linien eine messbare Reduktion der Total Cost of Ownership bei gleichzeitig höherer Prozessstabilität und Effizienz über die gesamte Fertigungskette hinweg.